Eigenkapital bei der Baufinanzierung: Warum ich 17–20 % empfehle
Ohne Eigenkapital finanzieren ist 2026 deutlich schwieriger geworden. Warum ich mindestens 17–20 % vom Kaufpreis empfehle – und wie sich das aus Nebenkosten und Eigenanteil zusammensetzt.
„Geht das auch ganz ohne Eigenkapital?” – diese Frage bekomme ich oft. Die ehrliche Antwort: theoretisch ja, praktisch ist das im aktuellen Zinsumfeld eine denkbar schlechte Idee. In diesem Beitrag erkläre ich, warum Eigenkapital gerade jetzt so wichtig ist und welche Größenordnung Sie realistisch einplanen sollten.
Die zwei Bestandteile: Nebenkosten + Eigenanteil
Eigenkapital wird oft verkürzt als „10 % vom Kaufpreis” gehandelt. Das ist zu knapp gedacht. Für eine saubere Finanzierung setzt sich der Eigenkapitaleinsatz aus zwei Positionen zusammen:
1. Kaufnebenkosten: 7–10 % vom Kaufpreis
Diese fallen zusätzlich zum Kaufpreis an und können grundsätzlich nicht über die Bank finanziert werden – weil sie im Ernstfall keinen Verwertungswert für die Bank darstellen:
- Grunderwerbsteuer: in Rheinland-Pfalz 5,0 % vom Kaufpreis
- Notar- und Grundbuchkosten: rund 1,5–2,0 %
- Maklercourtage (wenn Makler beteiligt): 3,57 % (inkl. MwSt.) vom Kaufpreis, geteilt zwischen Käufer und Verkäufer
Ohne Makler landen Sie bei rund 7 %, mit Makler eher bei 10 %. Diese Summe müssen Sie bereits auf dem Konto haben, bevor die Bank überhaupt den ersten Euro auszahlt.
2. Eigenanteil am Kaufpreis: mindestens 10 %
Zusätzlich zu den Nebenkosten sollten Sie mindestens 10 % des Kaufpreises selbst einbringen. Warum? Weil die Bank dann nur 90 % des Kaufpreises finanziert – den sogenannten Beleihungsauslauf von 90 %. Und das ist genau die Schwelle, ab der die Konditionen spürbar schlechter werden.
Macht zusammen: 17–20 % Eigenkapital
Rechnen wir es an einem Beispiel durch – Immobilie in der Südpfalz für 400.000 €:
| Position | Betrag | Anteil |
|---|---|---|
| Grunderwerbsteuer (5,0 %) | 20.000 € | 5,0 % |
| Notar & Grundbuch (~1,8 %) | 7.200 € | 1,8 % |
| Maklercourtage (3,57 %, anteilig 1,785 %) | 7.140 € | 1,8 % |
| Nebenkosten gesamt | 34.340 € | 8,6 % |
| Eigenanteil am Kaufpreis (10 %) | 40.000 € | 10,0 % |
| Eigenkapital insgesamt | 74.340 € | 18,6 % |
Sie sehen: Mit 17–20 % Eigenkapital liegen Sie im realistischen Korridor. Wer darunter bleibt, bekommt die Finanzierung nicht unmöglich – aber deutlich teurer.
Warum wird es ohne Eigenkapital gerade so teuer?
Drei Gründe:
Höherer Zinsaufschlag bei höherem Beleihungsauslauf
Banken staffeln ihre Konditionen nach dem Beleihungsauslauf – also dem Verhältnis Darlehenssumme zu Kaufpreis. Typische Aufschläge:
- bis 60 % Beleihungsauslauf: Top-Kondition
- bis 80 %: ca. +0,2 bis +0,3 Prozentpunkte
- bis 90 %: ca. +0,3 bis +0,5 Prozentpunkte
- bis 100 %: ca. +0,5 bis +1,0 Prozentpunkte
- über 100 % (Vollfinanzierung inkl. Nebenkosten): ca. +1,0 bis +1,5 Prozentpunkte – wenn die Bank überhaupt anbietet.
Auf 30 Jahre gerechnet macht ein halber Prozentpunkt bei 300.000 € Darlehen über 30.000 € Mehrkosten aus. Eigenkapital ist damit eine der effektivsten Renditeinvestitionen, die Sie überhaupt tätigen können.
Restschuld nach Zinsbindung
Wer mit 100 % Beleihungsauslauf startet und 2 % tilgt, hat nach 10 Jahren eine Restschuld von gut 76 % des Kaufpreises. Fällt der Immobilienwert in dieser Zeit um 10–15 % (was aktuell durchaus realistisch ist, dazu mehr im nächsten Beitrag), sind Sie bei der Anschlussfinanzierung plötzlich in der Umschuldungsfalle – die neue Bank will Ihre Finanzierung nicht übernehmen, die alte diktiert Ihnen die Konditionen.
Stresstest der Banken
Banken prüfen heute deutlich strenger, ob Sie auch bei 6–7 % Zinsen noch zurückzahlen könnten – den sogenannten Stresstest. Ohne Eigenkapital scheitern viele Kunden bereits in dieser Prüfung, obwohl sie die aktuelle Rate problemlos stemmen könnten.
Was tun, wenn das Eigenkapital nicht reicht?
Drei Wege, die funktionieren können:
- Weitersparen und warten. Unbequem, aber oft vernünftig. Jedes Jahr mehr Eigenkapital spart über die Laufzeit Tausende Euro.
- Familiendarlehen – formal korrekt aufgesetzt, ist das ein legitimer Eigenkapitalersatz.
- Bausparvertrag – wenn Sie heute schon wissen, dass Sie in 3–5 Jahren kaufen möchten, ist Bausparen eine der besten Möglichkeiten, Eigenkapital mit staatlichen Förderungen aufzubauen.
Mein Fazit
Lieber ein Jahr länger sparen und dann mit soliden 18–20 % Eigenkapital starten, als mit Vollfinanzierung in ein Finanzierungsrisiko zu laufen, das Sie über Jahrzehnte teuer zu stehen kommt. Ich berate Sie gerne dazu, welche Größenordnung für Ihr konkretes Vorhaben sinnvoll ist – und welche Bausparvariante sich als Eigenkapital-Aufbau eignet.
Fragen zu Ihrem konkreten Fall? Melden Sie sich gern zu einem kostenlosen Erstgespräch – kurzfristig per Teams oder vor Ort.